Was tun-wenn die Märkte verrückt spielen

3. Juli 2010

von Van K. Tharp, Ph.D. und D.R. Barton,Jr.Am Donnerstag den 6. Mai spielte die Wall Street verrückt.Der US-Leitindex war an diesem Tag in kurzer Zeit teilweise um mehr als 1000 Punkte ins Minus gerutscht.

Viele Leute haben versucht zu beschreiben,was an diesem Handelstag passierte.

Einige meinten,dass es ein Kursrutsch von „historischen“ Ausmaßen gewesen sei.

Andere benutzten da Wort „beispiellos“ – doch mein persönlicher Favorit ist das „10 sigma“ Ereignis.Die beiden ersten Beschreibungen sind sachlich exakt.

Wir hatten die größte,in Punkten gemessene,Intraday-Bewegung des Dow Jones gesehen,die es in der Geschichte je gab (prozentual gesehen gab es schon größere Schwankungen.)

Die dritte Beschreibung dieser Begebenheit (10 sigma) ist jedoch eine sehr interessante – aus zwei Gründen:
Erstens zeigt es,wie extrem dieser Move in Wirklichkeit war.Zweitens zeigt es uns was passiert,wenn wir haltlose Modelle und ungeprüfte Annahmen benutzen.

10 Sigma

Das Konzept der 10 sigma Ereignisse wurde von Roger Lowenstein entwickelt und in seinen hervorragenden Buch „When Genius Failed:

The Rise and Fall of Long-Term Capital Management.“ veröffentlicht.Lowenstein berichtet, dass seine Modelle gezeigt haben, dass die Verluste von LTCM (Hedge-Fonds) ein 10 sigma Ereignis war.

Das bedeutet, dieses Ereignis tritt statistisch gesehen nur einmal jeden 1 × 1024zigsten Tag auf—sprich: niemals!

Die meisten Leute vermuten,dies hat mit der Gaussischen Normalverteilung (Statistik) zu tun.

Diese Art der Herangehensweise gibt jedoch die Preisgestaltung an den Märkten nicht genau genug wieder.Die meisten Analysten stimmen zu,dass der Markt,wenn er am besten funktioniert,normalerweise aufgeteilt zwischen Exzessen und Ausreißern.Einige Analysten sagen dagegen,dass die Marktpreisgestaltung nicht der Normalverteilung unterliegt.

Im Grunde genommen ist es ein statistischer Weg um zu sagen,dass extreme Ereignisse viel öfter passieren,als vorhergesagt oder erwartet wird.Doch anstelle statistische Feinheiten der großen Marktbewegungen zu diskutieren,bevorzuge ich es zu durch andere Ansätze zu provozieren.Der erste Gedanke hierzu ist,einmal die Headlines Revue passieren zu lassen, um zu verstehen was geschehen ist.

Was passierte am 6. Mai 2010?

Bis jetzt lässt sich die genaue Ursache des Kursrutsches noch nicht feststellen.Es gab zwar keinen Mangel an Erklärungsversuchen seitens der Securities and Exchange Commission.

Doch bis keine spezifische Ursachenforschung betrieben wird,kommen die wahren Hintergründe nicht ans Tageslicht.

Die derzeit beste Vermutung was geschehen sein könnte ist die Version vom „perfekten Sturm“ (wie in dem Film „Der Perfekte Sturm“) – Viele kleine Teile haben sich vereint,um das System zu packen und zeitweilig gegen ein Kliff zu steuern.

Zu Beginn des Tages begann der Markt zu fallen,aus Angst das finanzielle Desaster Griechenlands könnte sich auf den Euro und die Märkte in Europa ausdehnen.

Dieser Umstand kostete den Dow Jones allein 300 Punkte,und dass bevor das Feuerwerk so richtig los ging.Stop Orders wurden ausgelöst und der Dow fiel um weitere 500 Punkte. Dann passierten viele Dinge in rascher Folge,keines für sich selbst genommen konnte den Kollaps auslösen,aber zusammen genommen lösten sie eine Lawine aus.

◆ Eine Trading-Firma mit großen Umsätzen stoppte ihren Handel um die Verluste an dem  Tag zu begrenzen.

◆ Große Verkauforders wurden in Futures und Optionen eingegangen.

◆ Große Verkaufsorders für Aktien wurden erteilt,auch für den Blue Chip Wert von Proctor & Gamble.P&G wurde in der Folge sogar für 80 Sekunden auf dem Parkett überhaupt nicht gehandelt,dafür aber wurde der Wert im elektronischen Handel nach unten getradet.

◆ Nachdem der Dow über 1000 Punkt an diesem Tag verloren hatte,kehrten die Käufer zurück an die Märkte und machten 70 Prozent der Verluste des Dow Jones innerhalb von 15 bis 20 Minuten wieder wett.

Ermittler und Analysten gaben nach diesem Tag folgende Story zu Besten.

Ein Trader hat „versehentlich“ eine Verkaufsorder über 16 Milliarden Dollar anstatt 16 Millionen Dollar für den S&P e-mini platziert.Angeblich weil er fettige Finger hatte.

Doch diese und ähnliche Erklärungen haben sich mittlerweile als Ente erwiesen.

Die Zeiten an den Börsen haben sich geändert

Heutzutage wird ganz anders gehandelt,als noch vor ein paar Jahren.

Nachdem die Handelsregeln geändert wurden (Zugang zu allen Börsen und Märkten wurde erlaubt),ging laut des Wall Street Journal das Handelsvolumen vieler Blue Chips an der NYSE von 80% auf 30% heutzutage zurück.Das bedeutet,dass die Mehrzahl der Trades für P&G,IBM and andere Schwergewichte über elektronische Börsen wie beispielsweise die NASDAQ abgewickelt werden.

Nach einigen Erfahrungen mit Börsen-Crashs,entwickelte die NYSE „Kurssicherungssysteme“,um einige Probleme zu beseitigen,welche die schnell stattfindenden Kursschwankungen betreffen.

Diese Systeme arbeiten zwar in der Theorie gut,aber heutzutage ist das Problem,dass ein größeres Handelsvolumen an Blue Chips über die elektronischen Börsen abgewickelt wird – und die haben keine Kurssicherungssysteme!

Offensichtlich verschärfen die Kurssicherungssysteme an der NYSE aktuell die Probleme die am 6. Mai aufgetreten sind nur,anstatt sie zu entschärfen.

Sicherlich werden mehr Sicherungssysteme und verschärfte Regeln rund um die Börsen eines der Ziele US-Börsenaufsicht für dieses Jahr sein.

Zusätzlich wird laut Wall Street Journal erwartet,dass im Jahr 2010 rund 30% des gesamten Handelsvolumens bei Aktien von sehr stark frequentierten Brokerfirmen abgewickelt wird.

Unabhängig davon ob Sie nun der Meinung sind,diese Firmen seien die Könige der Freien Marktwirtschaft,oder einfach nur Parasiten der Gesellschaft,kann ich mir nicht vorstellen,

dass die große Player der Branche sich in Zukunft ihre Geschäfte einfach so vermiesen lassen werden.

Ein schneller Überblick

Bevor wir in die Tiefe gehen,will ich ihnen den großen Überblick verschaffen.Viele Fonds, Investoren und Trader wurden empfindlich getroffen als sie an diesem Tag ausgestoppt wurden.Mit den großen Verlusten auf dem Zettel, kletterte der Markt plötzlich innerhalb von Minuten zurück in alte Höhen und hinterließ sehr viele völlig verdutzte und perplexe Leute,die nicht verstehen konnten,wie sie einen Haufen Geld verlieren konnten,nur weil sie

den Regeln gefolgt sind und beispielsweise Stops gesetzt hatten.

Die freie Marktwirtschaft und der Handel an den Börsen sind Eckpfeiler der modernen Gesellschaft.Und die Börsen an diesem besagten Dienstag gaben zu guter Letzt den Anschein (nicht die Realität) ein unfaires Spiel mit dem durchschnittlichen Investor zu spielen,das dieser nicht gewinnen kann.Statt diese Situation zu bereinigen,lassen Sie uns lieber hoffen, dass jetzt keine Kontrollwut an den Märkten ausbricht.

Was Solls ?

Was solls?

Die einzig relevante Frage derzeit lautet:

“Was sollen wir angesichts dieser Dinge machen?”

Ich habe mir viele Diskussionen angehört,speziell rund um das Thema StopLoss.

Dazu wurden mir die folgenden Fragen gestellt:

* „Sollten wir gänzlich auf Stops verzichten?“

* „Wie kann ich mich vor so großen Kursschwankungen wie am 6. Mai schützen ?“

Echtes Position Sizing ist das absolut wichtigste Mittel beim Risikomanagement für jeden Trader und Investor.Einen Verlust zu realisieren,der zwei- oder dreimal größer ist als ihr

geplantes Risiko,sollte ihr Tradingkonto nicht zum Kollabieren bringen – auch wenn sie wenig von Risikomanagement verstehen.

Für jeden Trader ist es zudem wichtig,seine Positionen auch von einer anderen Warte her abzusichern.Wenn sie vorwiegend Aktien traden, überlegen sie sich ob sie nicht auch Gold oder andere Rohstoffe zusätzlich handeln sollten.Auch wenn sie Werte handeln,die nicht sehr stark korrelieren,erfordert jeder von ihnen ein fundiertes Position Sizing.

Merken Sie sich:

Seit Herbst 2008 gibt es keinen „sicheren“ Hafen mehr.

Fazit

Zum Schluss lassen sie uns noch betrachten,welche Perspektiven sich aus den Ereignissen des 6. Mai 2010 für die Zukunft ergeben.Ein Tagesverlust von 10% ist sicherlich bitter,aber noch lange nicht desaströs.Auch wenn sie ausgestoppt wurden,als die Kurse am Tiefpunkt angekommen waren,können Sie am nächsten einfach weitermachen oder von vorne beginnen.

Quelle: Traders-Journal.de

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