Ursache und Wirkung

25. Februar 2010

– Warum Trader und Investoren ein anderes Denken benötigen
Teil I
von Van K. Tharp, Ph. D und D.R. Barton, Jr.
Während meines Studiums zum Chemieingenieur lernte ich,dass Entscheidungen in meinem Beruf recht einfach zu treffen sind.Es ist in den allermeisten Fällen ein reines „Schwarz Weiß-Denken“ erforderlich,wenig bis keine„Graustufen.“Das geht so:Lerne die Naturgesetze und wende sie an.Lerne wie man Moleküle kombiniert und wie man sie trennt.Lerne wie Masse und Energie von einem zum anderen Ort transferiert werden.Lerne was wirtschaftlich ist und was nicht.Und zum Schluss:Studiere engagiert und mache einen guten Abschluss.
Als ich dann in meinem Beruf zu arbeiten begann,sahen die Dinge oft ganz anders aus als in der Theorie des Studiums.In der realen Arbeitswelt werden die Dinge oft durch äußere Umstände beeinflusst.Die „Schwarz-Weiß-Welt“ wurde immer öfter zu einer Welt mit vielen „Graustufen.“In einer reinen Laborumgebung (wie im Studium) fügten sich die Moleküle auf immer gleiche Weise zusammen.Aber in der realen Welt – bei Produktionsprozessen beispielsweise – konnten Verunreinigungen in das System gelangen und den Wirkungsgrad des Verfahrens negativ beeinflussen oder sogar ein völlig unbrauchbares oder neues Produkt erschaffen.

Wenn bei einem Ausrüstungsgegenstand unter Laborbedingungen bestimmte Leistungsmerkmale gemessen werden,liegen diese bei den anschließenden Feldversuchen oft unter den Werten der Labormessungen.Einflussfaktoren wie schwankende Temperatur etc. verringern die Effizienz.Am Ende ist doch so,dass in der realen Welt der Produktionsplanung diejenigen die besten Ingenieure sind,die am effektivsten mit den Problemen und Bedingungen umgehen können,die nicht in der Theorie des Studiums vorkommen.Und so ist keine Überraschung,dass oft die „reine Intelligenz“ nicht unbedingt ausschlaggebend ist bei Erfolgen auf dem Spielfeld der Chemieproduktion.Die besten Ingenieure haben eine gewisse Cleverness,einen bestimmten Sinn dafür,Probleme zu lösen.
Eine ähnliche Qualität habe ich bei den besten Tradern und Investoren die ich kenne gefunden.Sie sind,bis auf einige Ausnahmen,nicht die besten Theoretiker – aber sie haben ein bestimmtes Grundverständnis der Gesamtzusammenhänge,die es ihnen ermöglicht,sich den Gegebenheiten anzupassen,ihre Vorgehensweise nötigenfalls zu korrigieren und ihre Arbeit mit selbstbewusster Leichtigkeit fortzusetzen.Diese Qualitäten und Eigenschaften machen aus einem “Durchschnittsdenker” jemanden der einen außergewöhnlichen „Sinn“ für

Problemlösungen entwickelt hat.Lassen Sie uns daher einen Blick auf einige dieser Konzepte werfen – wie man zum Beispiel gute Entscheidungen trifft – und wie man diese Konzepte leicht modellieren kann.
Trading ist keine Ingenieurswissenschaft oder Bilanzierung
Bevor wir uns mit den grundlegenden Merkmalen der Entscheidungsfindung anschauen,müssen wir uns ganz klar über die Unterschiede sein zwischen den Lernprozessen beim Trading und den klassischen,wissensbasierten Berufen der Ingenieure oder Mediziner.Ich höre oft angehende Trader darüber lamentieren,das man lediglich ein wenig mathematisches Verständnis sowie einige Mausklicks benötigt,um Wochen später ein konstant erfolgreicher Trader oder Investor zu sein.Einige Profi-Trader entgegnen dieser Ansicht folgendermaßen:
„Ein hoch bezahlter Arzt oder Anwalt muss erst jahrelang studieren und praktische Erfahrung sammeln,damit er eine hohe Vergütung bekommt.Wer würde erwarten genau so gut bezahlt zu werden wie der erfahrene Profi,wenn er nur einige Wochen studiert hat?“
Während der Gedankengang teilweise korrekt ist (der Fakt,das auch Trading eine wissensbasierte Grundlage hat), so wohnt dieser Argumentation ein großer Trugschluss inne. Wenn man sich das Minimum an Können als Ingenieur oder Mediziner angeeignet und gezeigt hat ebnet es in den allermeisten Fällen den Weg in eine gut bezahlte Position des gewählten Berufes. Das ist bei Tradern nicht so!
Der Lernprozess für einen Trader gleicht eher dem eines Pokerprofis.
Das Wissen und Anwenden der Grundfähigkeiten qualifiziert sie lediglich für einen Platz am Pokertisch es garantiert ihnen jedoch keinerlei Einkommen.Obwohl die Analogie zwischen
Poker und Trading nicht ganz perfekt ist,so sind jedoch die Lernkurven und jeweilige Entwicklung ähnlicher als bei Ärzten oder Ingenieuren.Lassen sie uns einen der Schlüsselbereiche betrachten,durch den sich Trading so stark von dem Beruf eines Arztes
unterscheidet.Es ist die Suche nach Gewissheit oder „Was passiert,wenn man alles richtig macht,aber es kommt das Falsche dabei heraus?“
Ärzte und Ingenieure leben in einer Welt von Ursache und Wirkung (dies gilt eigentlich für die meisten Berufe).Wenn man A macht wird zu einem sehr hohen Prozentsatz auch B folgen.
Es gibt natürlich einige Ausnahmen,wenn beispielsweise eine Produktionslinie verunreinigt wird,oder Bearbeitungsverfahren nicht funktioniert,doch im Großen und Ganzen gilt,wenn
sie die korrekt handeln,bekommen sie das korrekte Resultat.Trading ist komplett anders.
Ein Trader kann das perfekte Setup und den richtigen Einstieg sowie Ausstieg haben und trotzdem einen Verlust erleiden.Geld in dieser Situation zu verlieren kann für Trader
problematisch sein,es ist aber bei weitem nicht das größte Problem.Die größte Schwierigkeit ist für die meisten Leute,dass die mentale Verbindung zwischen der Ursache (ich habe alles
richtig gemacht) und dem Effekt (ich habe Geld verloren) unterbrochen ist.Dieses Ergebnis erzeugt einen Konflikt zwischen ihrer klassischen Erziehung,welches sie nicht mit den Werkzeugen ausstattet,die notwendig sind,um mit ungewissen Ergebnissen umzugehen.
In der nächsten Ausgabe des Traders Journal werden Sie erfahren,wie man eine neue Art des Denkens entwickelt.
Quelle: Traders-Journal.de
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