7 Todsünden des Tradings&NLP

5. September 2009

Die 7 Todsuenden des Tradings – und wie man sie mit NLP besiegt

Philipp hat bereits fleissig seine ersten Analysen und Papertrades eingestellt. Er wird den Nasdaq-Index handeln, und sich dabei auf die 30 groessten Titel nach Marktkapitalisierung spezialisieren. Sein Trading-Stil bleibt vollkommen ihm ueberlassen, meine Aufgabe ist es nur schrittweise seine Trading-Arbeit in die richtige Richtung zu druecken. Genauso wie jeder Trader auch, wird er fuer den Rest seiner Laufbahn Fehler machen. Logischerweise am Anfang mehr, als sonst irgendwann in seiner Karriere.

Man sagt, man muss jeden Fehler zumindest einmal gemacht haben, um etwas zu lernen. Die Wahrheit ist jedoch etwas bitterer. Wie schoen waere es, wenn man jeden Fehler an der Boerse tatsaechlich nur einmal macht, weil man sofort sein Verhalten daraufhin aendert. Nein, in Wirklichkeit machen wir diesselben Fehler immer und immer wieder. Erst wenn ein Fehler schmerzhaft genug war, beginnen wir aus ihm zu lernen.

Ironischerweise glauben aber die meisten Anfaenger, dass man einen Fehler nie gemacht haben muss, um etwas zu lernen. Einfach ein paar Buecher oder Blogposts lesen, und schon ist man zwei Schritte vor der konstanten Profitabilitaet. Man sucht den Heiligen Gral, und Aktientipps, aber irgendwie verliert man am Ende doch immer wieder. Dafuer ueberblaettert man alle Informationen die mit Psychologie und Risiko- bzw. Money Management zu tun haben. Was bringt es denn sowas zu wissen, wenn man doch an der Boerse traden soll? Und weil man die Risikoartikel in den Magazinen ueberblaettert und nur die Info sucht, welche Aktie morgen steigt, begeht man tagtaeglich denselben Fehler. Man versteht weder etwas von positiven Erwartungswerten, noch vom negativen Zinseszins, noch von Monte-Carlo Simulationen oder von Ordertechniken.

Nachdem die ersten Verluste angelaufen sind, scheiden viele Trader an diesem Punkt ihres Entwicklungsprozesses aus. Doch manche schaffen es, sich die Eigenschaften erfolgreicher Trader anzueignen und werden wissenshungrige Stehaufmaennchen. Sie entwickeln an Systemen, verwerfen diese wieder, kopieren andere Handelsansaetze oder kaufen sich ein Blackbox-Trading System. Nachdem sie langsam merken, dass sie immer noch die gleichen Tradingfehler machen wie etwa

* im Verlust nachkaufen
* zu grosse Positionen fahren
* Korrelationen der Einzelpositionen nicht verstehen
* Gewinne begrenzen durch fruehzeitiges Verkaufen
* Verluste laufen lassen, weil Stopp-Orders nicht eingehalten werden
* Unsystematisch zu handeln
* Overtrading zu betreiben
* Zu lange auf “Bestaetigungen” warten
* Ewig an Systemen entwickeln, ohne sie je zu verwenden
* etc.

erkennen sie, dass sie zwar vielleicht ein System mit positiven Erwartungswert haben, es aber an irgendetwas scheitert. Dieses irgendetwas ist die Psychologie – und eine schlechte Psychologie verursacht immer einen der oben genannten Fehler.

Jetzt stuerzen sich diese Trader in die Psychologie-Welt, und schieben ihre Disziplinlosigkeit als Grund fuer Verluste vor. Das kann allerdings sehr gefaehrlich sein – denn nur Disziplin hat auch noch kein schlechtes System zu einem guten System gemacht. Nur weil man aufgrund mangelnder Disziplin mit einem schlechten System mehr Verlust gemacht hat, als das System an sich gemacht haette, heisst das noch lange nicht, dass man bei einer akkuraten Umsetzung eines schlechten Systems ein gutes System hat.

Hier bleiben viele Trader in Ihrer Entwicklung stecken. Sie begreifen nicht, dass sie nach Absolvierung der Psychologie wieder zurueck zu der 2. Entwicklungsstufe kehren muessen. Sobald die Psychologie verinnerlicht ist, heisst es wieder: Gentlemen; Start your Systems!

Doch wann weiss ich, dass ich mich genug mit Psychologie beschaeftigt habe, um mich wieder der Systementwicklung zu widmen? Ganz einfach: sobald, ich meine Emotionen unter Kontrolle habe. “Unter Kontrolle” heisst aber nicht “Unterdruecken” – Emotionen sind, wie fuer den Spitzensportler auch, besonders wichtig um Hoechstleistungen abzurufen. Kurzer Ausflug zum Profi-Sport: Welcher Spitzenfussballer ist voellig emotionslos auf dem Platz? Und war McEnroe nicht gerade aufgrund seiner Emotionen ein so ausgezeichneter Tennis-Spieler?

Wie bekommt man seine Emotionen aber unter Kontrolle, ohne sie zu unterdruecken? Wie kann ich mit meinen Emotionen arbeiten?

Hier machen wir wieder einen Ausflug in die Welt des NLP.

Jeder Fehler den wir machen, laeuft auf Angst oder Gier zurueck. Eine dieser beiden Emotionen war zu dominant und hat uns die Objektivitaet geraubt. Der Grund warum wir einen Fehler so-oft wiederholen bevor wir aus ihm lernen ist, dass wir meist nur die Symptome und nie die Ursachen bekaempfen.

Nehmen wir die Liste der oben aufgezaehlten Fehler und versuchen wir diese Fehler nun entweder der Familie “Angst” oder der Familie “Gier” zuzuordnen.

1. Im Verlust Nachkaufen – Angst

Definitiv ein Fehler, der auf die Angst zurueckgefuehrt werden kann. Es ist die Angst Unrecht zu haben. Die Angst mit der urspruenglichen Einschaetzung des Trades falsch gelegen zu haben.

2. Zu grosses Einzelpositionsrisiko – Gier

Das zu grosse Einzelpositionsrisiko, also einfach viel zu viele Stueck haben, ist der Paradefehler der Gier. Man sucht einen Abschneider auf der Zeitachse. Schnell mit den naehsten paar Trades reich werden, oder den Kampf aus dem Drawdown verkuerzen, weil wenn ein Gewinner kommt, dann geht’s schnell bergauf. Ein einzelner Gewinntrade koennte mehr Gewinnen als eine ganze Serie an “normalen Gewinntrades”. Die Angst, dass ein einzelner Verlust mehr Verlust als eine ganze Serie an Verlusttrades generiert wird gekonnt ignoriert…

3. Korrelationen der Einzelpositionen zueinander nicht verstehen – Gier

Der dritte Fehler ist “interchangeable”. Hier koennte genauso gut stehen, dass man nichts von Drawdown-Analyse verstanden hat, oder das Konzept das Pyramidisierens nicht verstanden hat. Das waeren andere Symptome fuer diesselbe Ursache: man hat sich nicht genug mit der Materie auseinandergesetzt, Hauptsache man kann schnell drauf los traden – der Gierfaktor ist derselbe wie bei Fehler Nummer 2

4. Gewinne begrenzen durch Fruehzeitiges verkaufen – Angst

Weder Stopp-Loss noch Kursziel sind erreicht, doch die Schwankungen innerhalb des Trades machen einen fertig. Bei jedem kleinen Drawdown der bereits angelaufenen Gewinne bekommt man es mit der Angst zu tun, man koennte diese wieder verlieren. Auch hier ist der Fehler bereits einmal aufgetreten; und zwar in Punkt 1. Man moechte Recht behalten, und stellt deshalb seine Position fruehzeitig glatt. (Uebrigens: Wenn man nach dem Entry die Kurse beobachtet, und immer und immer wieder neu analysiert, dann kann man das Einzelschicksal dieses Trades noch immer nicht beeinflussen…)

5. Verluste laufen lassen, Stopps nicht einhalten – Angst

Wieder dasselbe Spiel. Man moechte recht behalten, und hat Angst davor, Verluste zu realisieren, weil das so etwas wie ein Beweis dafuer waere, dass man bei diesem Trade Unrecht hatte. Hinzu kommt das fehlende Verstaendis, oder die fehlende praktische Anwendung des Verstaendnisses fuer den positiven Erwartungswert von Systemen mit einer Trefferquote von unter 50%.

6. Unsystematisches Trading – Gier

Einfach am Morgen mal den DAX-5-Minuten Chart aufmachen, ein wenig rumzeichnen – und siehe da – schon hat man ein Signal gefunden. Dann mal den EUR/USD aufmachen, wieder ein wenig rumzeichnen, und wieder hat man ein System gefunden. Am naechsten Tag hoert man, dass die Zahlen von Google besonders gut waren. Schnell den Chart analysieren und dann kaufen. Laut Handelsblatt erhoeht die OPEC ab naechster Woche die Foerdermenge, schnell den Chart analysieren und shorten. Unsystematisches Handeln ist die Scheu vor all der Arbeit die gutes Trading eigentlich ausmacht. Nur 3% der Trading-Arbeit ist Positionen im Markt auf- oder abzubauen. Von der “Screenaction” ist noch kein Trader reich geworden. Und wenn ja, soll er sich bitte bei mir vorstellen… Definitiv wieder ein Versuch eine Abkuerzung zum Reichtum ohne Arbeit zu finden. Ein klarer Fall fuer die Gier…

7. Overtrading – Gier

Heute wieder keine Vola im Markt? Der Ausbruch will und will einfach nicht kommen? Schon seit 4 Tagen kein gutes Swing-Trading Signal bekommen? Ein Trader soll doch vom Trading leben, also nehmen wir einfach mal das naechstbeste Signal… Vom Hetzjagd-Trading hat man hier nicht viel verstanden, dafuer aber umso mehr vom “schnell reich werden”. Zumindest kann man sich das selbst wunderbar einreden.

<hr>

Jeder von uns tendiert eher zu Fehlern auf der Angst Seite oder zu Fehlern auf der Gier Seite. Unsere Persoenlichkeitsstruktur und unser Wertesystem aus der “normalen Welt” bilden die Basis fuer den Entscheidungskatalog nachdem wir beim Trading verfahren. Und dabei schlagen wir eher auf der Angst- oder eher auf der Gier-Seite aus.

Dabei gibt es allerdings kein “Gut” oder “Schlecht”. Es ist einfach so. Extrovertierte Spielernaturen sind wohl eher auf der Gierseite angesiedelt. Introvertierte Buchhalter-Mentalitaet findet sich wahrscheinlich bei den Angst-Fehlern oefter, als bei den Gier-Fehlern. Wie gesagt, es gibt weder “gut” noch “schlecht”. Das ist einfach die Art wie wir gestrickt sind.

Um ehrlich zu sein, diese 7 Fehler sind deshalb die Todsuenden des Tradings, weil man sie nie besiegen wird. Man kann sie kontrollieren, einzaeunen, abschwaechsen – aber das Verlangen diese Fehler zu tun wird einen Trader IMMER begleiten, selbst wenn er schon seit Jahrzehnten Trader ist. Natuerlich schwaecht sich die Fehlerintensitaet im Laufe der Karriere ab, und die Fehler werden immer kleiner und ueberschaubarer. Hoffentlich sogar so klein, dass sie die Jahresperformance nicht wirklich beeinflussen. Aber loswerden tut man seine Fehler fuer den Rest seine Trader-Karriere nicht. Man muss lernen mit ihnen zu leben.

Und genau hier, kann man wieder mit der NLP ansetzen. Dafuer muss ich aber wieder mal etwas weiter ausholen, und sogar behaupten, dass wir alle Schizophraen sind – zumindest zu einem gewissen Grad. Schizophraen ist vielleicht etwas uebertrieben dargestellt, denn Sigmund Freud haette es in Ich bzw. Ueber-Ich eingeteilt.

Kennst du das Gefuehl, wenn du einen Bloedsinn machst, und waehrend du es machst, dir eine Stimme sagt, dass du gerade einen Bloedsinn veranstaltest? Wie kann es sein, dass eine Haelfte von dir die Sache zwar tut, aber eine andere Haelfte von dir, dich fragt ob du jetzt vollkommen bescheuert bist – und du tust es aber trotzdem?

Emotionen sind sehr schwer vorzustellen. Deshalb kann man mithilfe der NLP die Emotionen personifizieren. Eine Uebung, die ich auch stets in meinen Intensiv-Seminaren praesentiert habe.

Was ich damit meine ist schnell erklaert. Stellen wir uns vor, dass wir ein kleines Engelchen und ein kleines Teufelchen auf der Schulter sitzen haben beim Trading; ganz so wie man es aus den Comics kennt. Das Teufelchen ist die Emotion, die uns einreden will, dass wir jetzt einen Fehler begehen muessen (wie etwa sich nicht an einen Stopp zu halten oder Overtrading zu betreiben). Das Engelchen auf der anderen Schulter ist unser Ueber-Ich, das Rationalitaet bewahrt und die immer wieder im Kopf die Frage stellt, was der Trader denn da gerade bitte veranstaltet nur weil das Teufelchen erschienen ist.

Jetzt gehen wir davon aus, dass wir wieder kurz vor einem Fehler stehen. Eine Position steht kurz vor dem Stopp-Loss und droht mit -1R aus dem System zu fliegen. Das Teufelchen erscheint auf unserer Schulter und sagt: “Wir sollten die Position noch nicht glatt stellen. Um 15:30 eroeffnen die USA, die Premarket-Futures schauen stark aus. Und obwohl der Long im DAX gerade bedroht ist, waere es jetzt eine dumme Zeit zu verkaufen, wenn in ein paar Minuten Aufwaertsdruck aus den USA kommt. Ich denke, der Trade sollte auch bei Beruehren des Stopps zumindest noch 2 Stunden weiterlaufen – nur um zu sehen, ob’s nicht doch wieder dreht….”

Ha! Da ist das Teufelchen also. Sobald diese Situation auftritt, dass eines der 7 Todsuenden-Teufelchen auf seiner Schulter erscheint, schliesst der Trader die Augen und hoert ganz gespannt auf die Worte des Teufelchens. Er laesst das Teufelchen ausreden, unterbricht es nicht, und hoert sich all die Vorschlaege an, die ihm das Teufelchen zur Handhabung der aktuellen Trading-Position ins Unterbewusstsein fluestert. Dann fragt er mit der Stimme des Engelchens das Teufelchen: “Hast du noch mehr Kritikpunkte? Was sollte deiner Meinung noch anderes passieren?”

Wenn ihr diese Uebung macht, konzentriert euch darauf, dass Teufelchen wirklich ausreden zu lassen. Man will es nicht unterdruecken, sondern ihm voll und ganz zuhoeren, bevor man auf dessen Ratschlaege hoert und sich zu einem Kurzschluss-Trade hinreissen laesst.

Sobald das Teufelchen all seine Argumente vorgebracht hat, wechselt man selbst in die Stimme des Engelchen und beginnt mit dem Teufelchen zu reden. (Das Teufelchen symbolisiert in diesem Fehler den Wunsch sich nicht an seinen Stopp halten zu wollen, es handelt sich also um eine synthetische Personfizierung eines Angstfehlers.) Der Dialog koennte in etwa so aussehen:

“Liebes Teufelchen, danke fuer den Rat den du mir gibst. Ich weiss, dass du mir nur dabei helfen willlst Recht zu haben, weil du glaubst, dass das wichtig ist fuers Trading. Ich weiss, dass du nur das beste fuer mich willst, weil du mich vor dem Schmerz beschuetzen willst, den ich erleide wenn ich Unrecht habe. Und ich weiss, dass du mir nur dabei helfen willst Geld zu verdienen. Ich muss dir allerdings leider mitteilen, dass ich um Geld zu verdienen mich an diesen Stopp halten muss, denn wenn ich es nicht tue, koennte es passieren, dass ich meinen – ohnehin schon kleinen – positiven Erwartungswert gaenzlich verliere. Wenn ich mich also nicht an diesen Stopp halte, dann ist uns beiden mehr geschadet als geholfen. Ich weiss allerdings zu schaetzen, dass du dich um mich sorgst und ich hoffe du kommst bald mit neuen Ratschlaegen wieder. Jedoch muss ich mich an diesen Stopp halten, um langfristig erfolgreich zu sein. Und im Endeffekt ist das doch das, was wir beide wollen…”

Das mag jetzt etwas abgehoben klingen, aber wer sich schon mal mit NLP und dessen Uebungen auseinander gesetzt hat, der weiss wie powervoll solche kleine Exercises sein koennen.

Quelle: www.daytrading.de

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