Negative Gedanken

27. August 2009

– Wie die Art zu denken Ihren Tradingerfolg beeinflusst Teil II
von Van K. Tharp

Im ersten Teil dieses Artikels über „Negative Gedanken“ haben wir einen Trader namens Michael kennen gelernt, der sich vor jedem Trade immer fragte: „Was passiert wenn ich
verliere?“, und wir haben gesehen, welche Konsequenzen seine Einstellung hatte.
Im zweiten Teil werden wir noch tiefer in die Materien eintauchen und etwas mehr Licht in die komplexen Vorgänge der „Menschlichen Wahrnehmung“ bringen.
Furcht und Wahrnehmung,Sämtliche Informationen, die wir mit unseren Sinnen empfangen, werden von einem komplexen Mentalen System erst gefiltert und unseren Überzeugungen entsprechend interpretiert. Wir sehen daher die „Welt dort draußen“ nicht so wie sie tatsächlich ist, sondern so wie sie sehen wollen (wenn auch meisten unbewußt) und wir sie unseren Erfahrungen und Überzeugungen gemäß bewerten.Hierzu ein Beispiel:
Jemand sieht ein Bündel schwarzer Markierungen auf einem weißen Blatt Papier und erkennt sofort, dass es sich um einen Barchart handelt, den eine Kopf-Schulter-Formation anzeigt.
Für eine andere Person ohne Tradingwissen handelt es sich lediglich um eine Ansammlung nutzloser Zeichen und Markierungen – möglicherweise erkennt diese Person ein Muster darin, doch es ergibt für sie keinen Sinn.
Erkenntnissinn oder Auff assungsgabe sind Teil eines Filterprozesses in unserem Gehirn,
das Informationen auswählt und in unser Bewusstsein bringt. Der Selektionsprozess läuft aber nicht zufällig ab, sondern ist ein aktiver Prozess, der nur diejenigen Informationen
auswählt, die unseren Erwartungen entsprechen.Was jemand „sieht“ oder wahrnimmt, hängt also davon ab, was er zu sehen oder wahrnehmen erwartet.
Ein Investor der bei Aktien einen Bullenmarkt erwartet, wird darauf abzielen, diejenigen Informationen zu bemerken,die seine Erwartungen unterstützen oder bestätigen. Er wird bullishe Muster in seinen Charts „sehen“ und ignoriert dabei jeden Beweis, der möglicherweise eine gegenteilige Richtung aufzeigt. Er ist daher in der Beurteilung der Marktlage nicht objektiv.
Furcht oder Angst ist eine Form von Erkenntnisgewinn,die auf negativen Erwartungen
basiert. Leute die sich vor etwas fürchten,nehmen die negativen Konsequenzen vorweg!
Die meisten stressigen Events sind nur deshalb stressig, weil wir sie genauso wahrnehmen und empfinden. Doch ein Event bleibt ein Event – ein ganz neutrales Ereignis.
Es ist also die Art und Weise wie eine Person solch ein Event interpretiert, das den Stress in ihr auslöst.
Gewinner und Verlierer
Gewinner zum Beispiel haben gelernt,wie man mit Tradingverlusten umgeht, in dem sie zu sich selbst sagen: „O.K. – diesmal habe ich eben verloren, dass gehört halt zum Spiel.“
Im Gegensatz dazu werden Verlierer extrem ärgerlich über ihre Tradingverluste und haben als Resultat davon, Schwierigkeiten diese Verluste zu akzeptieren. Ein großer Verlust oder auch nur die Möglichkeit viel Geld zu verlieren,könnte einen Verlierer umhauen und richtig aus der Bahn werfen.Beispiele:
Nehmen wir einmal an, der Preis von Sojabohnen fällt um 20 Cent pro gehandelte Einheit.
Hier nun die Reaktionen von vier verschiedenen Tradern auf dieses Ereignis.
– Ein alter Mann mit einem Lächeln auf den Lippen wurde mit seinem Sojabohnen-Kontrakt am frühen Morgen ausgestoppt.Zu diesem Zeitpunkt hatte er 3000 Dollar verloren,
aber der Schlusskurs an diesem Tag hätte ihm einen noch weitaus höheren Verlust beschert.
Er war stolz auf sich selbst, dass er bei seinem Tradingplan geblieben ist und so reagierte er
auf die Nachricht vom Schlusskurs mit einem Lächeln und sagte zu sich selbst:
„Großartig – Du bist bei Deinem System geblieben!“
– Ein Sojabohnen-Farmer hatte einen Teil seiner Ernte vor zwei Monate noch zu einem viel höheren Preis verkauf können.Er tat dies, weil er überzeugt war, dass die Großkonzerne den Marktpreis nach unten manipulieren werden. Für den Farmer war der Kursrutsch von 20 Cent
somit der Beweis der Preismanipulation.„Verflucht sollen sie sein“, sagte er zu sich selbst und blieb für den Rest des Tages schlecht gelaunt.
– Ein aktiver Trader war davon überzeugt,dass es bei Sojabohnen zu einer Rallye Negativer Gedanken kommen wird. Er hatte einen Kursrückgang an diesem Tag erwartet, sah dies aber
als Boden und als seine Chance jetzt eine große Longposition einzugehen. Er verbuchte zwar am Ende des Tages einen kleinen Verlust, fühlte sich aber dennoch großartig, weil er von seiner Prognose einer Rallye weiterhin überzeugt war.Alles was er zu sich sagte, war: „Ich liege richtig.“
– Ein Finanzjournalist war bei Sojabohnen long. Er hatte den Verlust aufgefangen,weil er ohne einen Stop operierte. Sein beherrschender Gedanke war, dass er keine Chance hatte.
Er war sich sicher,wenn er einen Stop setzte, dann würde seine Position von einem anderen Trader eingesammelt werden. Sollte er einen großen Verlust realisieren, dann würde dies möglicherweise zum Tagestiefstkurs geschehen. Daher war er voller Zweifel, was er tun sollte und fragte sich: „Warum ausgerechnet ich?“
An diesen vier Beispielen sehen sie, wie unterschiedlich die Reaktionen auf ein und dieselbe Situation sind und entsprechend für jeden Trader eine andere Erfahrung darstellen.
Ein Trader verlor bei dieser Spekulation Geld und war trotzdem zufrieden, ein anderer
verzeichnete ebenfalls einen Verlust, war aber danach sehr unglücklich. Auf der Gewinnerseite das gleich Spiel. Ein Trader gewinnt Geld und ist zufrieden, ein andere gewinnt gleichfalls, ist aber voller Zweifel. Natürlich ist so, dass die meisten Leute über einen Verlust nicht glücklich
sind und bei einem Gewinn nicht traurig.
Diese Beispiele zeigen lediglich, dass Gewinne und Verluste nichts mit dem Erlebnis an sich zu tun haben. Die Leute heften einem Ereignis nur ein individuelles Etikett an, durch die Art und Weise wie jeder Einzelne darüber denkt.
Menschen die sich generell viele Sorgen machen, werden sich auch bei ihren Investments eine Menge Sorgen machen und dies wird dann in der Regel zur Gewohnheit! In jeder Situation die für das Selbstwertgefühl eines Individuums bedrohlich wirken, kommen sorgenvolle Gedanken auf, die das Urteilsvermögenbeeinträchtigen. Versagensängste bahnen sich den Weg ins Bewusstsein eines jeden Traders, der sich zuviel Sorgen um seine Investments macht.
In der Tat stellt die Tätigkeit des Tradens möglicherweise eine enorme Bedrohung des Selbstwertgefühls eines Individuums dar, denn derjenige Investor der Geld verliert, hat möglicherweise gleichzeitig das Gefühl das er gegenüber sich selbst oder anderen Personen als Versager dasteht.

Quelle: Traders-Journal.de

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